Geschichte und Etymologie von Bierbach

Bierbach – Geschichte und Etymologie des Ortsnamens


Geschichte

Soweit bisher nachweisbar wurde Bierbach erstmals 1230 schriftlich erwähnt. Graf Heinrich von Castel und Heinrich von Kirkel tauschten Güter des Klosters Wörschweiler in Hassel gegen Güter zu Bierbach1.


Wann Bierbach erstmals besiedelt wurde, liegt im Nebel der Geschichte verborgen. Man weiß seit 1994 allerdings, dass im Bliestal die ersten Siedler schon vor 200.000 Jahren wohnten. Hans Cappel fand in Blieskastel einen Faustkeil aus der Altsteinzeit2.


In Bierbach selbst kann man Bodenfunde nachweisen, die um das Jahr 100 bis 150 nach Christus entstanden sind. In diese Zeit wird die Erbauung einer römischen Villa mit Grabmal datiert, deren Überreste man erstmals 1804 fand; endgültig ausgegraben wurden sie 1924 und 1929. Daneben lassen sich im gesamten Bliesgau römische Überreste, z.B. in Schwarzenacker oder im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim nachweisen. Bei der Villa handelte es sich wahrscheinlich um den Sommersitz eines vermögenden Mannes. Die Rekonstruktion ergab, dass die zweistöckige Villa über eine repräsentative Säulenreihe und einen großen Portikus verfügte. Der rechteckige Bau hatte eine Länge von rund 68m und eine Tiefe von etwa max. 10m. Die Überreste sind wegen der Überbauung durch einen Industriebetrieb in den 1920er Jahren nicht mehr sichtbar, die Ausgrabungsstücke können aber im Historischen Museum der Pfalz in Speyer, im Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken und im nahen Römermuseum Schwarzenacker besichtigt werden3.


Eine sichere und wichtige Quelle über Bierbach ist das „Bierbacher Weistum“ vom 10. August 15294. {„Vnnd ist dis jhargeding vff dhinstag sanct Lawrency tag anno etc. 1529 zu Birbach gehalten worden durch Arnolt, apt zu Werßweiller, vnnd des priors Adam Kellers, des gerichts sampt der gemein vnnd des gantzen vmbstandts, wie hernach vnderschiedtlich zu sehen.“} Hier werden bei den Banngrenzen des Ortes u.a. erwähnt „die Klain Birbach“ und die „Alt Birbach“. {„... von dem Rech fortter offen mit an sant Pirmanns waldt, da steeth ein stein; von dem stein fortter mit an die Klain Birbach; ...; darnach die Alt Birbach ...“.} Im Zweibrücker Oberamts Bannbuch von 1547 findet man statt „Alt Birbach“ auch „Groß Birbach“5. Auf diese beiden Gewässernamen gründet die dörfliche Überlieferung die Herkunft des Ortsnamens.


Etymologie des Ortsnamens

Die spätere Dorfgründung auf Resten römischer Häuser dürfte wahrscheinlich zur Namensgebung des Ortes Bierbach geführt haben. Ernst Christmann kommt in seinem Buch „Die Siedlungsnamen der Pfalz“ 1952 zu folgendem Ansatz: „Bier“ ist meist aus dem althochdeutschen Wort „bûrea“, „bûri“, oder „bûr“ = Gebäude hervorgegangen. Es wäre also wohl recht denkbar, dass nach römischen Häusern oder ihren Überresten der Bach von den germanischen Erstsiedlern „Bûribach“ genannt wurde, was aber bis zum 15./16. Jahrhundert in Bierbach umgedeutet war6. Für die Herkunft des Ortsnamens „Bierbach“ aus dem Althochdeutschen sprechen auch die sprachwissenschaftlichen Untersuchungen von Heinrich Tischner aus Bensheim7. Er erläutert die Herkunft des Weilers Bierbach in der Gemeinde Brensbach (PLZ 64395; Hessen, Odenwald) in der gleichen Weise: „'Bürbach' - amtl. Name 'Bierbach', Überlieferung: 1314 Burbach; 1748 Bierbach; - Glied 1: ahd. bûrea = Haus; Glied 2: dt. Bach = kleiner Fluss“.


Neben dieser Erklärung gibt es noch eine weitere: Im 8. Jahrhundert wirkte der Abt des Klosters Hornbach - Pirminius - als Glaubensbote im Bliestal. Das Klosterland hieß „Pirminsland“, die Hintersassen „Pirmannsleute“. Der Klosterwald war der „Pirmannswald“ (so heißt dieser Wald noch heute). Es könnte also durchaus so gewesen sein, dass die Bächlein, die im Pirmannswald entspringen, einstmals „Groß-Pirminsbach“ und „Klein-Pirminsbach“ hießen. Durch die im Volk übliche Zusammenziehung und Abkürzung ist aus dem „Groß-Pirminsbach“ „GroßBirbach“ geworden. Der Ort, der am „Groß-Birbach“ entstand, wurde dann von den Nachbargemeinden „Birbach“ genannt, woraus dann später der heutige Name „Bierbach“ wurde8.

1563 erteilte Herzog Wolfgang von Zweibrücken dem aus Siegen stammenden Geometer und Kartographen Tilemann Stella den Auftrag, eine Beschreibung der pfalz-zweibrückischen Ämter Zweibrücken und Kirkel zu erstellen. Er nennt den Ort „Beurbach“9. Dies ist die lautgeschichtliche Fortentwicklung von „Bûribach“10.

Den gesamten Artikel kann man nachlesen in Wikipedia, Die freie Enzyklopädie .


Die Friedhofsglocke von Bierbach11,12,13,14,15

Johann Christoph Klein wurde am 25. Dezember 1725 geboren. Sein Elternhaus stand in Wörschweiler, wo heute das ehemalige Schulhaus zu finden ist. Vermutlich ging Johann Christoph 1740 nach Zweibrücken in die Lehre des Glockengießers Georg Gachot. 1754 übernahm Johann Christoph Klein sein Elternhaus, errichtete einen Gießofen und grub ein Gießloch, in dem die Glockenformen aus Ton hergestellt wurden. Wie viele Glocken in Wörschweiler gegossen wurden ist unbekannt. 1758 verkaufte er seinen Wörschweiler Besitz und zog mit seiner Familie nach Ernstweiler.

Der Glockengießer vom „Schwartzenacker“ fertigte die Glocke, die heute auf dem Friedhof in Bierbach bei Trauerfeiern und Beerdigungen geläutet wird.
Die ursprüngliche Glocke war 1687 von der Gemeinde gekauft worden. Sie wurde von Johann Christoph Klein im Jahre 1766 umgegossen; ihr Durchmesser beträgt 68 cm. Auf der Glocke kann man folgende Aufschrift entziffern: AVS EYGENEN MITTELN DER GEMEINDE BIRBACH WERDE ICH VMGEGOSSEN DORCH CHRISTOPH KLEIN VON ERNSTWEILER ANNO MDCCLXVI. "Aus eigenen Mitteln der Gemeinde Bierbach wurde ich umgegossen durch Christoph Klein aus Ernstweiler Anno 1766".

Diese Glocke läutete bis 1963 auf der alten katholischen Kirche. Nach deren Abriss wurde sie 1966 auf dem ehemaligen Glockenturm der Leichenhalle aufgehängt. Seit Allerheiligen 1999 läutet sie auf dem neuen Turm - der alte musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Die Friedhofsglocke wurde in die Denkmalliste des Saarlandes aufgenommen: „Im Serrstrang, Flur 6, Flurstück 1322/10, Glocke der Friedhofskapelle, 1766 von Christoph Klein.“

Im Jahre 1786 ertrank der Glockengießer Johann Christoph Klein in der Blies. Ob er sich das Leben nahm oder ob es ein Verbrechen oder einfach ein Unfall war, wird man nicht mehr herausfinden. Im lutherischen Kirchenbuch von Zweibrücken ist folgender Eintrag zu finden: „Bierbach den 6. August wurde der seit einigen Wochen vermißte Glockengießer Christoph Klein von Ernstweiler in hießiger Nachbarschaft von der Blies ausgeworfen und nach geschehener oberamthl. Besichtigung den 7. ejusd. hier in der Stille beerdigt.“ Seine Gebeine ruhen auf dem ehemaligen 1936 eingeebneten Friedhof (künftiger Dorfplatz).

Dieser Artikel wurde von Manfred Ehrmantraut im Februar 2026 anlässlich des 240. Todestag von Johann Christoph Klein am 06. August 1786 verfasst.

Fußnoten

1 Stadt Blieskastel (Hrsg.): 750 Jahre Bierbach 1230-1980. Heimatbuch, zusammengestellt v. Heinrich Ehrmantraut, Blieskastel o. J.

2 Cappel, Hans: Ein Faustkeil aus der Altsteinzeit auf dem Osterberg in Blieskastel. In: Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde 2004/3, S. 44 ff.

3 Stadt Blieskastel (Hrsg.): 750 Jahre Bierbach 1230-1980, a.a.O.

4 Zu diesem Zeitpunkt waren alle Güter in Bierbach dem Kloster Wörschweiler (Werschweiler) zinspflichtig. - vgl. Bierbach. Gemeinde- und Ortslexikon. Einzelschriften zur Statistik des Saarlandes Nr. 18. Herausgegeben vom Statistischen Amt des Saarlandes. Saarbrücken 1956, S. 15.

5 Private Aufzeichnungen von Heinrich Ehrmantraut bzw. an verschiedenen Stellen in: 750 Jahre Bierbach 1230-1980, a.a.O.

6 Wilms, Rudolf: Bierbach. Das Dorf in der lieblichen Bliesaue. In: Aus heimatlichen Gauen. Wochenbeilage des Pfälzischen Merkur, 13.11.1958 und Bierbach. Gemeinde- und Ortslexikon, a.a.O.

7 Tischner, Heinrich: Siedlungsnamen zwischen Rhein, Main, Neckar und Itter.

8 Wilms, Rudolf: Bierbach. Das Dorf in der lieblichen Bliesaue, a.a.O.

9 Tilemann Stella: Beschreibung der Ämter Zweibrücken und Kirkel 1564. Historischer Verein Zweibrücken 1993.

10 Gemeinde- und Ortslexikon. a.a.O.

11 Bonkhoff, Bernhard: Die Werkstatt Klein in: Die Pfälzische Glockenkunst in Zweibrücken, 1992

12 Deßloch, Adolf: Der Glockengießer vom „Schwartzenacker“, 1975 abgedruckt in Wörschweiler Kalender 2008

13 Denkmalliste des Saarlandes: Saarpfalz-Kreis 01.07.2022, Gemeinde Blieskastel, Gemeindebezirk Bierbach, Gemarkung Bierbach

14 Ehrmantraut, Heinrich (zusammengestellt und verantwortlich für den Gesamtinhalt): 750 Jahre Bierbach 1230 - 1980

15 Klein, Adolf: Der Glockengiesser Christoph Klein in: 22. Bericht der Staatlichen Denkmalpflege im Saarland, 1975

ehemaliger Glockenturm
Die Glocke heute